Für mehr Saatgutvielfalt. Für mehr samenfeste, alte Sorten

Obwohl Saatgut das erste Glied in unserer Nahrungsmittelkette ist, bekommt es viel zu wenig Beachtung geschenkt. Eine unserer Visionen ist es, für mehr Saatgutvielfalt zu kämpfen. Viele Kulturpflanzen sind vom Aussterben bedroht oder bereits verschwunden. Wir möchten erklären, was sich hinter den Begriffen „Hybride“ und den „samenfesten Sorten“ verbirgt. Und wir wollen deutlich machen, warum es uns so wichtig ist, nur samenfestes Saatgut zu verwenden.  

Samenfestes vs. hybrides Saatgut

  Samenfestes Saatgut, alte Saatgutsorten, Permakultur

Samenfest Saatgut

  Als samenfest bezeichnet man Pflanzen, die in der nachfolgenden Generation wieder ähnliche Merkmale ausbilden wie die elterliche Generation. Samenfeste Sorten passen sich über Generationen hinweg an Bedingungen aus ihrer Umwelt an. Sie sind hart im Nehmen, und benötigen keinen Kunstdünger oder Pestizide. Die Pflanzen aus diesen Samen brauchen zwar mehr Zeit beim Wachsen, dabei entstehen aber auch mehr Nährstoffe. Früher war es Tradition in der Landwirtschaft eigenes Saatgut einzubehalten, Wissen darüber zu entwickeln und sich auszutauschen. Die Samen wurden auch mit Nachbarn und Freunden getauscht, wodurch eine unheimliche Vielfalt an Kulturpflanzen entstand.

Hybride: Einweg-Saatgut

  Hybridsamen sind Samen, die aus einer Kreuzung entstanden sind. Gekreuzt werden bei Gemüse und landwirtschaftlichen Kulturen meist zwei reinerbige Elternlinien der gleichen Art. Sie sind populär geworden, weil die daraus gezogenen Pflanzen in Form und Farbe durchweg gleich und die Erträge relativ hoch sind. Damit ist die Ernte für Landwirt*innen sicher und diese durch das einheitlich-ansprechende Aussehen besser vermarktbar.   Leider haben die Hybride aber auch zahlreiche Schattenseiten. Wir bezeichnen sie intern schon als Einweg-Saatgut, da sie nicht vermehrbar sind. Landwirt*innen, Gärtner*innen und letztlich wir alle sind somit von den wenigen Konzernen abhängig, die das Saatgut vertreiben. Bei diesen Konzernen handelt es sich um Agrarchemieunternehmen wie Bayer und Monsanto, die bestimmen können, was auf unseren Tellern landet. Sie können letztendlich auch kontrollieren, auf welche Schädlinge die Pflanzen ansprechen oder gegen welche sie resistent sind. Dementsprechend vertreiben sie dann Pestizide, von denen die Landwirtschaft wiederum abhängig ist. Die Monopolstellung dieser Unternehmen hat dazu geführt, dass die Kulturpflanzen-Vielfalt in Deutschland um 90 Prozent zurückgegangen ist. Da ist es kaum verwunderlich, dass selbst das Obst und Gemüse aus Bio-Läden zum großen Teil aus Hybrid-Samen stammt.

Unsere Vision

All das führt uns zu unserer Vision zurück. Wir wollen die Saat wieder in die Hand nehmen. Und darum kämpfen, dass wir einen großen Genpool an Sorten haben, die sich an Umweltveränderungen anpassen können. Das alte Saatgut ist oft viel besser an die regionalen Bedingungen und die Bodenbeschaffenheit angepasst. Die Pflanzen haben außerdem ein intensiveres Aroma und sind zudem noch pflegeleichter als die Hybrid-Sorten. All unsere Kalender beinhalten samenfestes Saatgut und wir möchten damit inspirieren und weitere Menschen dazu anregen, sich an den Eigenanbau zu wagen.  

 

Dokumentation und Lesetipps:

Dokumentation: Verbotenes Gemüse vom NDR   Kostenloses Ebook: "Saatgut – Wer die Saat hat, hat das Sagen" von Anja Banzhaf     

Anbieter für samenfestes Saatgut:

Eine Liste dazu findest Du auf dem Blog "anstattdessen" von Gabriele.      

Weitere Quellen:

"Fluch und Segen - Hybridsamen" - Judith Hallwachs Der NABU rät zu samenfesten Sorten Samenfestes Saatgut: Was bedeutet es und wo ihr es bekommt (Blog: Ein Stück Arbeit)