Die große Kunst besteht darin, aus zarten Keimlingen kräftige und widerstandsfähige Jungpflanzen zu ziehen – gerade in den ersten Wochen kann einiges schiefgehen! Um euch so gut es geht zu unterstützen, haben wir die Pflanzenpost ins Leben gerufen. Jeden Monat schreibt Franzi ihre Tipps und Tricks zu den Pflanzen aus euren Wachsenden Kalendern.

Zur Pflanzenpost könnt ihr euch über den link auf der ersten Seite eures Wachsenden Kalenders anmelden.

Pflanzensprechstunde: Tipps und Tricks per Video

Zusätzlich wird es auch monatlich eine Pflanzensprechstunde geben. Dabei versuchen wir eure Fragen zu beantworten und auf typische Anfängerfehler einzugehen... Hier gehts zum Video.

Welche Erde verwende ich?

Das richtige Substrat ist unglaublich wichtig! Verwendet auf keinen Fall Blumenerde! Darin sind Nährstoffe und Dünger enthalten, die den Sämlingen schaden können. Verwendet am besten torffreie Anzucht- oder Kräutererde. Die ist auch wasserdurchlässer, so bildet sich keine Staunässe. Kokosquelltabs haben unserer Erfahrung nach schneller angefangen zu schimmeln. 

Wie säe ich richtig an?

Das richtige Ansäen geht so: Ihr reißt das Samenpapier so in Stücke, dass auf jedem Fetzen möglichst nur ein Samen ist. Dann drückt ihr die Erde gut an und gießt sie großzügig. Danach legt ihr die Samen mit dem passenden Abstand zum Nachbarn darauf und deckt sie anschließend mit der benötigten Erdmenge ab. Wie tief die Samen in die Erde gedrückt werden sollen, steht immer auch im Kalender und der Pflanzenpost.  Dann leicht andrücken – fertig! 

 

Wo stelle ich die Anzuchtschalen hin?

Es ist sehr wichtig, dass ihr den richtigen Platz für eure Pflanzen findet. Im Wohnzimmer ist es mit 20 Grad oder wärmer oft zu warm, deine Sämlinge brauchen meistens eher 15 bis 17 Grad. In der Regel herrschen im Gang oder Schlafzimmer bessere Temperaturen.
Zudem sind Fensterbänke oft Kältebrücken für deine Pflanzen: Da ist es häufig nicht so warm wie die eigentliche Raumtemperatur. Die Lösung: Dick Zeitung oder Styropor unter die Anzuchtschalen packen.

Brauch ich eine Folie über den Anzuchtschalen?  

Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht, eine Glasscheibe, Folie oder ähnliches über unsere Anzuchtschalen zu stülpen. Oft fällt durchsichtige Folie beim täglichen Einkauf an, so kann man direkt recyclen. Vielleicht habt ihr auch ein Minigewächshaus, das wäre optimal.

Wie viel Wasser brauchen meine Pflanzen? 

Die Bewässerung ist ein riesen Thema. Deine Pflänzchen verzeihen dir weder zu viel, noch zu wenig Wasser. Für die Anzucht reicht es, wenn du den Topf anfeuchtest und abdeckst. So entsteht ein fast geschlossener Wasserkreislauf.
Ist das Substrat nämlich zu feucht, kommt auch nicht mehr genug Sauerstoff an den Samen. Das kann dazu führen, dass der Keimling abstirbt.
Es reicht, wenn du alle 3 bis 4 Tage die Erde mit einem Wassersprüher befeuchtest. So werden deine Pflänzchen auch regelmäßig belüftet.
Du solltest aber trotzdem täglich kontrollieren, dass dein Saatgut nicht austrocknet! Sonst ist der Samen tot.
Wenn die Sämlinge schon etwas größer sind, oder du keine Folie zum abdecken hast, gießt du sie am besten von unten. Du kannst zum Beispiel die Töpfe auf einen Untersetzer stellen, in den du das Wasser füllst. Sie saugen dann selbst die richtige Menge auf und bekommen keine nassen Blätter.

Wie viel Licht brauchen meine Pflanzen? 

Wer ein großes Südfenster hat, kann sich glücklich schätzen, denn die Sämlinge brauchen Licht, VIEL Licht! Wenn sie das nicht bekommen wachsen die Keimlinge in die Länge und werden läääänger und länger. Das nennt man Vergeilung. Diese Pflänzchen werden es nach der Auspflanzung dann viel schwerer haben.
Helfen kann dagegen nur eine zusätzliche Lichtquelle. Wenn du nicht in eine Pflanzen LED-Leuchte investieren willst, versuche hinter deinen Saatgefäßen einen Spiegel oder eine mit Alufolie beschichtete Pappe aufzustellen.
In der prallen Sonne solltest du deine Pflanzen aber auch nicht stehen lassen. Vor allem falls du eine Folie über deinen Topf gespannt hast, pass auf dass es einen Pflanzen nicht zu warm wird.
Je wärmer eine Pflanze steht, desto mehr Licht benötigt sie auch.
Wenn dieser Tipp schon zu spät für deine Pflanzen ist, pflanze sie sobald du die ersten echten Blätter sehen kannst, in normale Blumenerde – nur sehr tief. Dann hat die Pflanze mehr halt.

Warum schimmeln meine Sämlinge? 

Einige von euch scheinen ein Problem mit Schimmel zu haben. Das ist uns tatsächlich auch schon passiert, vor allem wenn wir Eierkartons oder Kokostabs als Anzuchtschalen verwendet haben. Deshalb benutzen wir jetzt Anzuchtwannen oder kleine Terrakotta-Töpfe. Die kann man wiederverwenden und bei den kleinen Töpfen muss man später nicht pikieren. Terrakotta-Töpfe haben meistens auch ein Drainageloch, so kann das Wasser abfließen und die Wurzeln fangen nicht an zu Schimmeln.
Es ist wichtig, dass ihr eure Abdeckung  ein- bis zweimal täglich entfernt. Sobald die Samen gekeimt sind, kann die Abdeckung bei Zimmertemperatur komplett entfernt werden. Auch etwas Sand auf der Erdoberfläche hilft das Schimmelrisiko zu reduzieren.
Schimmel kann auch entstehen, wenn die Anzuchterde nicht keimfrei war. So könnt ihr das verhindern: Verwendet keine alte Aussaaterde vom letzten Jahr. (Kauft keine Billigerde aus dem Discounter, sondern torffreie Anzuchterde aus der Gärtnerei). Die Erde sollte nicht im Freien gelagert worden sein.
Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt: Steckt eure Anzuchterde bei 200 Grad für eine halbe Stunde in den Backofen! So werden alle Keime abgetötet.
Falls der Schimmel schon da ist, deckt die Setzlinge ein paar Tage nicht ab und lasst die Erde antrocknen. Wichtig: Nicht austrocknen lassen! Dann gibt ein kleines bisschen frische Anzuchterde obendrauf.

Kann man Anzuchterde wiederverwenden?

Anzuchterde solltet ihr nicht wiederverwenden, da sie eventuell nicht mehr keimfrei ist. Wenn ihr sie aber im Backofen oder der Mikrowelle erhitzt, spricht da nichts dagegen.

Meine Sämline sind erst gewachsen. Jetzt lassen sie den Kopf hängen. Was soll ich tun?

Wenn eure frisch gekeimten Sämlinge plötzlich den Kopf hängen lassen oder direkt umkippen, dann kann eine Pilzinfektion dafür verantwortlich sein. Für das Umfallen und anschließende Eingehen der Jungpflanzen ist die Umfallkrankheit (Syn.: Auflaufkrankheit, Schwarzbeinigkeit, Wurzelbrand, Saatbeetfäulnis) verantwortlich. Eine ganze Reihe unterschiedlicher Pilzerreger, wie Fusarium und Botrytis löst diese Krankheit aus.
Was dagegen hilft: eine niedrigere Luftfeuchtigkeit – also wenn du eine Folie über dem Topf hast, nimm sie häufiger mal ab. Je älter die Jungpflanze, desto öfter und länger sollte gelüftet werden.
Die befallene Pflanze kann nicht gerettet werden. Du solltest sie sofort entfernen, damit sich die Krankheit nicht ausbreiten kann.